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Dienstag 21.5.2002

Die Waldspirale von Darmstadt

ein Hundertwasser-Architekturprojekt errichtet von der bauverein AG

Am 11.10.1994 wurde der Vertrag über den Erwerb des städtischen Schlachthofs einschließlich Aufbauten zwischen der Stadt Darmstadt und der bauverein AG abgeschlossen. Die Besitzübergabe erfolgte am 31.12.1994. Nachdem die Bebauungsvorschläge mehrerer Investoren nicht die Akzeptanz der Stadtplanung fanden, plante die bauverein AG nun die Schaffung eines neuen Quartiers, in dem die Komponenten "Leben, Wohnen und Arbeiten" miteinander verknüpft werden sollten.

Um diese Idee bestmöglich umzusetzen, lobte die bauverein AG in Zusammenarbeit mit der Stadt Darmstadt einen beschränkten städtebaulichen Wettbewerb aus. Er hatte das Ziel, für das Gebiet ein Konzept für die unterschiedlichen Nutzungsarten Wohnen, Gewerbe und Gemeinschaftseinrichtungen zu entwickeln.

Der Wettbewerb brachte zwei erste Preisträger hervor, zum einen das Architekturbüro Hoechstetter und Partner aus Darmstadt, zum anderen das Architekturbüro Kramm und Strigl, ebenfalls aus Darmstadt. Die beiden ersten Preisträger wurden mit den weiteren Architektenleistungen beauftragt, und zwar das Büro Hoechstetter und Partner mit der Planung der Verwaltungs- und Gewerbebauten an der Frankfurter Straße und die Architekten Prof. Kramm und Strigl mit dem Wohnungsbau an der Bad Nauheimer und Büdinger Straße. Mit der Bebauung des Bürgerparkviertels anlehnend an den städtebaulichen Wettbewerb wurde Ende 1995 begonnen.

Neben den bereits genannten Bauten hatte die bauverein AG den Wunsch, in dem Gebiet einen zusätzlichen Akzent zu setzen und etwas Besonderes entstehen zu lassen. Nach einem Treffen des damaligen Vorstandsvorsitzenden der bauverein AG, Dr. Wolfgang Rösch, mit dem Künstler Friedensreich Hundertwasser in Wien zeigte dieser die Bereitschaft, an dem Projekt Bürgerparkviertel mitzuwirken. Das Ergebnis seiner Arbeit ist die Waldspirale von Darmstadt, die am 23.01.1997 auf der Mathildenhöhe der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Der Präsentation folgte ein nicht immer einfaches Genehmigungsverfahren, das seinen Abschluß am 27.05.1998 fand. An diesem Tag gab der Aufsichtsrat der bauverein AG grünes Licht für den Bau der Waldspirale. Nachdem die Firma Holzmann als Generalunternehmer mit dem Bau der Waldspirale beauftragt wurde, begannen im September 1998 die Vorarbeiten an der Baustelle, so dass am 12.11.1998 der Grundstein für die Baumaßnahme gelegt werden konnte.

In der Waldspirale sind 105 Wohnungen sowie Räumlichkeiten für einen Souvenirshop, ein Büro, ein Café und ein Restaurant im Turmbereich entstanden. 70 der Wohnungen verfügen über zwei Zimmer und Wohnflächen zwischen 47 und 88 Quadratmeter. 28 Wohnungen haben drei Zimmer und Wohnflächen von 70 bis 114 Quadratmeter. Hinzu kommen sieben Vier-Zimmer-Wohnungen mit Wohnflächen von 96 bis 124 Quadratmeter. Alle Wohnungen sind unterschiedlich gestaltet, so dass jede Wohnung in der Waldspirale ein Unikat darstellt.

Der Einfluß Hundertwassers erstreckt sich auf Form und Gestaltung des Gebäudes sowie auf die Gestaltung der Außenanlagen. Die architektonische Betreuung des Bauvorhabens lag in den Händen des Plochinger Architekturbüros Springmann, das bereits bei verschiedenen Projekten mit Friedensreich Hundertwasser zusammengearbeitet hat.

An der Waldspirale läßt sich die Philosophie Hundertwassers an verschiedenen Details nachvollziehen. So entwarf er eine Fassade, die keinem Raster folgt. Fenster, die aus Reihe tanzen und verschiedene Größen aufweisen, sind Ausdruck seiner Überzeugung, dass in der Abkehr von linealgeraden Normen die Freude am Wohnen und Leben zurückkehrt. Bäume, die aus der Fassade herauswachsen, sogenannte Baummieter, sowie das begrünte Dach sollen den Menschen das gemeinsame Erlebnis von Stadt und Natur ermöglichen.
Die von Hundertwasser gestaltete Außenanlage bietet den Bewohnern der Waldspirale einen Blick ins Grüne. Sie wird von verschiedenen Baumarten, Spazierwegen sowie von einem durch das Gelände fließenden Bach beherrscht. Ein Pavillon mit typischen Hundertwasser-Elementen, wie z.B. den bunten Säulen, ergänzt das Bild. Die Außenanlage steht ausschließlich den Nutzern der Waldspirale zur Verfügung. Der Bach stellt eine natürliche Grenze für den außenstehenden Betrachter dar.

Beim Bau des Hundertwasser-Hauses wurde Recycling-Beton verwendet, der durch die Wiederverwendung von am Bau anfallenden Abbruchmaterialien erhebliche Mengen an natürlichen Ressourcen wie Kies und Sand schont und den Deponiebedarf für Bauschutt reduziert. Der Einsatz von Recycling-Beton erfolgte in enger Abstimmung mit der TU Darmstadt, Institut für Massivbau. Prof. Peter Grübl, und ist bisher einzigartig in Deutschland. Die bauverein AG begrüßt es, dass hier Industrie und Wissenschaft zusammenarbeiteten und auf diese Weise zum Umweltschutz am Bau beigetragen wurde. Besonders erfreulich ist es, dass als eines der Pilotprojekte gerade das Hundertwasser-Haus zum Tragen kommen konnte.

Zusammenfassend wurde das Projekt unter das Motto gestellt:

Außer der Reihe bauen ...
Außer der Reihe wohnen ...
Außer der Reihe finanzieren ...
Außer der Reihe innovativ ...

Die Wohnungen in der Waldspirale konnten ab Anfang Mai 2000 bezogen werden. Zu diesem Termin waren bereits alle Wohnungen im Hundertwasser-Haus vermietet.

bauverein AG Darmstadt
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