bauverein AG stellt Farbkonzept für die zwei großmodernisierten Gebäude im Spessartring vor / Enge Anlehnung an Buxbaum-Entwurf aus 1920er Jahren

Es prägt das Stadtbild und ist Zeuge einer Epoche, in der Darmstadt so wie heute von Zuzug und Wachstum geprägt war: Das von August Buxbaum zwischen 1921 und 1928 erbaute Gebäude-Ensemble im Rhön- und Spessartring – ein Gegenentwurf zum bis dahin vorherrschenden Schlichtwohnungsbau für weniger privilegierte Schichten. Heute gelten die an einer der wichtigsten Einfallstraßen Darmstadts gelegenen Gebäude als Beispiel für gelungenen sozialen Wohnungsbau. An der beinahe 100 Jahre alten Bausubstanz hatte allerdings zunehmend der Zahn der Zeit genagt, so dass die bauverein AG beschloss, die Gebäude sukzessive – in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz – modernisieren zu lassen.

Mehr als 50 Gebäude im Rhön- und Spessartring sollen bis 2021 modernisiert werden, den Auftakt machten in diesem Sommer die Häuser im Spessartring 16 / Alfred-Messel-Weg 2 und im Spessartring 27 / Hohler Weg 26 („Café Gretchen“). Mitte Juli waren die Gebäude eingerüstet worden, seitdem sind die Arbeiten kontinuierlich vorangeschritten. Beide Gebäude wurden im Verlauf der Arbeiten einer Putzsanierung unterzogen. Die Kunststofffenster werden gegen die im ursprünglichen Entwurf von Buxbaum vorgesehenen Holzsprossenfenster ausgetauscht, das Dach neu und denkmalgerecht mit einer Biberschwanzeindeckung versehen und Holzklappläden – ebenfalls denkmalgerecht – erneuert. Die Hauseingangsbereiche sollen ebenfalls nach Denkmalschutzaspekten überarbeitet werden. Darüber hinaus werden die Gebäude brandschutztechnisch ertüchtigt. Eine ursprünglich aus energetischen Gründen vorgesehene Dämmung der Fassade konnte aufgrund des Denkmalschutzes nicht vorgenommen werden.

Um die Gebäude wieder möglichst originalgetreu herzurichten, wurde auf die Hilfe eines vom Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden empfohlenen Restaurators zurückgegriffen. Er war auf der Suche nach den früher, zu Buxbaum-Zeiten, verwendeten Farben auf Reste gestoßen, die es ermöglichten, die alten Fassadenfarben zu rekonstruieren. So besaßen die Häuser ursprünglich einen Anstrich in Amberger Gelb, einer Art Ocker. Einen kräftigen Kontrast dazu bildeten die Klappläden aus Lärchenholz, die im Spessartring16 / Alfred-Messel-Weg 2 in einem dunklen Oxidrot und im Spessartring 27 / Hohler Weg 26 in einem satten Moosgrün gestrichen waren. Um die Häuser im Rahmen der Modernisierung wieder möglichst originalgetreu herrichten zu können, beauftragte die bauverein AG auf der Grundlage der Befunduntersuchung die Firma Caparol mit der Herstellung eines eigenen Farbkonzeptes. Das Konzept für die ersten beiden Gebäude wurde am heutigen Montag (10.) der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Immobilienunternehmen setzt mit der intensiven Zusammenarbeit mit Caparol bewusst auf einen Kooperationspartner aus der Region.

Die verbleibenden Fassadenarbeiten sollen dann ab der 42. Kalenderwoche (ab 17.10.) erfolgen und bis spätestens Mitte November abgeschlossen sein. Rechtzeitig vor Weihnachten werden dann die letzten Arbeiten beendet und das Gerüst abgebaut. 2017 wird die Modernisierung mit den Gebäuden im Spessartring 2 / Kranichsteiner 69, Spessartring 4, 6 und 8, Gutenbergstraße 76 sowie Spessartring 10,12,14,18 fortgesetzt. Betroffen sind davon sieben Gebäude mit 92 Wohnungen. Die Mieter werden rechtzeitig informiert.

„Ich freue mich, dass wir die Lebenszeit der aus den 1920er Jahren stammenden Gebäude durch die Modernisierungsmaßnahme verlängern und dieses, das Stadtbild prägende Ensemble so für die Nachwelt erhalten können. Schöner Nebeneffekt der Maßnahme ist, dass die Häuser wieder so aussehen werden wie zu Buxbaums Zeiten. Ich hätte mir vielleicht etwas gedecktere Farben gewünscht, aber es war uns an dieser Stelle wichtig, die Häuser so originalgetreu wie möglich herzurichten. Im Zuge der weiteren Modernisierung von Gebäuden im Spessart- und Rhönring werden wir dann auch Farbtöne verwenden, die etwas zurückhaltender sind“, so Armin Niedenthal, Vorstand der bauverein AG.

„Die bauverein AG hat bei der Modernisierung eng mit dem Denkmalschutz zusammengearbeitet und dabei viele neue Erkenntnisse über dieses Ensemble erhalten. Zwar war die Zusammenarbeit  aufgrund der vielen Auflagen nicht immer leicht, weil Unternehmen und Denkmalschutz ganz unterschiedliche Erwartungen an die Modernisierung haben. Es ist aber nachvollziehbar, dass wir die Gebäude so originalgetreu wie möglich herrichten lassen – insbesondere im Hinblick auf Darmstadts Bewerbung für das UNESCO Weltkulturerbe. Schließlich stellen Rhön- und Spessartring das Entrée zur Mathildenhöhe dar“, so Ctirad Kotoucek, Aufsichtsratsvorsitzender der bauverein AG: „Für die bauverein AG sind mit den Forderungen des Denkmalschutzes allerdings erhebliche Mehrkosten verbunden. So kostet das Unternehmen allein der durch die vorgeschriebene Verwendung von Holzfenstern und Holzklappläden notwendige Anstrich alle fünf Jahre zirka 800.000 Euro. Wir befinden uns bei solchen Projekten in einem regelrechten Spagat zwischen dem, was wir als kommunales Wohnungsbauunternehmen für unsere Mieter leisten wollen und müssen und was andererseits aus Sicht des Denkmalschutzes wünschenswert ist.“     

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