Jury kürt Preisträger für zwei aktuelle Lincoln-Wettbewerbe / Gestaltungsentwürfe für die Neubauten werden in Ausstellung präsentiert

Auf Wettbewerb Nummer eins folgen nun, kaum ein Jahr später, die Wettbewerb Nummer zwei und drei: Auch diesmal ging es darum, Gestaltungsideen für Baugebiete in der Lincoln-Siedlung zu sammeln – in diesem Fall allerdings nicht mehr, wie bei dem 2015 ausgeschriebenen Wettbewerb, für Bestandsgebäude, sondern für Neubauten mit jeweils angeschlossener Tiefgarage im südlichen Siedlungsbereich.

Was ist geplant?

Das Neubauvorhaben im Süden des südlichen Baugebietes (B 3.2. / Anbindung über die Franklinstraße) soll, so die Vorgabe der bauverein AG, 80 frei finanzierte 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen sowie zehn Ein-Personen-Sozialwohnungen für die Caritas enthalten. Das Baufeld im nördlichen Bereich des südlichen Baugebietes (B 4.2.) Anbindung über die noch zu schaffende Einsteinstraße) soll mit einem deutlich größeren Gebäudekomplex bebaut werden, in dem 90 frei finanzierte 2-, 3- und 4-Zimmer-Wohnungen sowie 50 Wohnungen für mittlere Einkommen Platz finden. Auch sollen neun weitere Wohnungen im Bereich „Wohnen für Menschen mit geistiger Behinderung" geschaffen werden. Träger ist hier die Diakonie Nieder-Ramstadt.

Die Wettbewerbe 2016

Die Wettbewerbe wurden im Dezember 2015 international ausgeschrieben, unter den Teilnehmern waren neben Planern aus Deutschland auch Architekturbüros aus Spanien und Österreich. Koordiniert wurden die Wettbewerbe von BÄUMLE Architekten I Stadtplaner aus Darmstadt. Die mit Fachleuten aus ganz unterschiedlichen Bereichen sowie mit Vertretern der Stadt Darmstadt besetzte Jury trat am 19. Februar erstmals zusammen und tagte seitdem mehrmals, um die eingereichten Entwürfe nach ganz unterschiedlichen Kriterien unter die Lupe zu nehmen und deren Realisierbarkeit zu prüfen. Am Dienstag (7.) bzw. Freitag (10.) kürten die zehn Juroren unter Vorsitz von Prof. Michael Mann (Architekt, Professor für Entwurfslehre und Gebäudeplanung an der FH Erfurt) schließlich die sechs Preisträger (drei pro Wettbewerb sowie zusätzlich drei Anerkennungen für Baufeld 3.2 und zwei Anerkennungen für Baufeld 4.2). Die Entwürfe der beiden ersten Preisträger wurden von der Jury zur Umsetzung empfohlen. Die bauverein AG wird dann in einem nächsten Schritt entscheiden, welche Gestaltungsideen auf den zwei Arealen verwirklicht werden.

Die Preisträger für Baufeld 3.2.

Für das im Süden der Siedlung gelegene Baufeld 3.2. einigten sich die Jury-Mitglieder auf folgende Preisträger: Den ersten Preis erhielt das Darmstädter Architekturbüro Hoechstetter und Partner. Platz zwei ging an die Fischer Architekt GmbH, Mannheim; Platz drei an die Planer von Modersohn & Freiesleben aus Berlin.

Der Entwurf von Hoechstetter und Partner (Platz 1) sieht die Errichtung von drei unterschiedlich großen Baukörpern vor, die sich ringförmig um einen großzügigen Innenhof gruppieren. Die Juroren lobten an dem Entwurf vor allem die „Wirkung eines zurückhaltenden, aber modernen Baukörpers", die „klar gegliederten Grundrisse" sowie die „ruhige und klare, durch Loggien und Balkone angenehm gegliederte Lochfassade".

Die Planer von Fischer Architekt GmbH (Platz 2) legten dagegen einen Entwurf vor, der auf drei identische, nicht zueinander in Beziehung stehende Solitärgebäude setzt. Auch hier entschied man sich als Gestaltungselement für eine Lochfassade. Den Jury-Mitgliedern gefiel an dem Entwurf der Mannheimer Architekten der „klare und prägnante Entwurf", der die Kasernen-struktur der Siedlung zum Wald hin auflöse. Anklang fanden auch der vorgesehene zentrale Quartiersplatz sowie die drei ebenfalls eingeplanten, kleineren, halböffentlichen Aufenthalts-bereiche mit Spielangeboten.

Die Architekten von Modersohn & Freiesleben aus Berlin (Platz 3) hingegen setzten auf fünf Solitärbaukörper, die in einem auffälligen Kontrast zur strengen, klar gegliederten Kasernen-struktur der Siedlung stehen. Positiv bewertet wurden von den Juroren die Grundrissvielfalt sowie der „zeitgemäße Wohnungsmix".

Die Preisträger für Baufeld 4.2.

Am Freitag (10.) einigten sich die Juroren im zweiten Wettbewerb auf folgende Preisträger: Den ersten Platz belegten Pielok Marquardt Architekten Planungsgesellschaft mbH aus Offenbach. Platz zwei ging an BLFP Frielinghaus Architekten Planungs GmbH, Friedberg. Dritter Preisträger ist das Freiburger Büro Kuhn und Lehmann Architekten PartG.

Der Entwurf des Offenbacher Planungsbüros Pielok Marquardt Architekten Planungsgesellschaft mbH (1. Platz) sieht fünf unterschiedlich lange, parallel zueinander angeordnete, jedoch versetzte Bauzeilen vor. Durch die Anordnung der Zeilen entstehen zum einen vielfältige Blickbeziehungen ins Grüne. Gleichzeitig entstehen zwischen den Gebäuden lebendige Aufenthaltsräume mit unterschiedlichem Charakter. Den Juroren gefiel an dem Vorschlag die „konsequente Anpassung an die vorhandene Topografie".

BLFP Frielinghaus Architekten Planungs GmbH (2. Platz) entschieden sich in ihrem Entwurf für eine Bebauung des dreieckigen Grundstücks mit drei unterschiedlich großen Baukörpern, die im Innenbereich eine große Freifläche umschließen. Die Juroren lobten an dem Entwurf der Friedberger Planer „die klare städtebauliche Struktur", „die großzügig dimensionierte Freifläche" wie auch die Tatsache, dass man damit „einen selbstverständlichen Abschluss der bestehenden Zeilenstruktur" gefunden habe. Lob gab es zudem für die Idee, die Wohn- und Aufenthaltsräume des betreuten Wohnens "zum Hof hin anzulegen", da so „die Möglichkeit der Teilhabe gut gegeben" ist.

Einen ganz anderen Weg gingen die Architekten vom Freiburger Büro Kuhn und Lehmann Architekten PartG (3. Platz), die sich für fünf würfelartige Einzelgebäude entschieden, wobei ein Gebäude etwas größer als die anderen ist. Gut gefiel der Jury hier, dass die Planer „den Übergang zwischen Quartier und Gesamtsituation mit einer sehr sensiblen und gleichzeitig gut nutzbaren und verbindenden Freiflächengestaltung" lösen. Pluspunkte hat aus ihrer Sicht auch, dass sich „durch diesen Entwurf vielschichtige und sehr qualitätsvolle und gut nutzbare Freiräume" ergeben.

Die Ausstellung

Die Entwürfe aller Wettbewerbsteilnehmer sind im Rahmen einer Ausstellung zu sehen, die am heutigen Montag (13.) von den beiden bauverein Vorständen Sybille Wegerich und Armin Niedenthal eröffnet wurde. Die Schau ist bis zum 23. Juni 2016 (evtl. mit Verlängerung bis 1.7.) in den Räumen der bauverein AG zu sehen und während der Öffnungszeiten der bauverein AG für die Öffentlichkeit zugänglich (bauverein AG, Siemensstraße 20, 64289 Darmstadt, Bauteil A).

„Wir haben in den Wettbewerben eine Vielzahl spannender Entwürfe zu sehen bekommen, die zeigen, welchen gestalterischen Spielraum es für die geplanten Neubauvorhaben auf den beiden südlichen Baufeldern gibt. Die Jury hat alle Ideen sorgfältig geprüft und am Ende ihre Wahl getroffen. Für das Engagement und die vielen spannenden gestalterischen Vorschläge möchte ich mich bei allen Teilnehmern des Wettbewerbs bedanken. Nun freue ich mich darauf, die prämierten Entwürfe umzusetzen und der Lincoln-Siedlung so Stück für Stück ein neues Gesicht zu geben", so Armin Niedenthal, Geschäftsführer der für die Konversion zuständigen bauverein-Tochter BVD New Living GmbH & Co. KG sowie Vorstand der bauverein AG.

„Die Wettbewerbe stellen einen weiteren Meilenstein im Konversionsvorhaben dar. Nachdem unser Fokus zunächst auf der Modernisierung der Bestandsbauten lag, um möglichst schnell Wohnraum in der Siedlung zur Verfügung stellen zu können, sind wir nun dabei, die Neubau-felder ins Auge zu fassen. Dabei bleiben wir auch hier unserem Anspruch treu, Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten zu schaffen und Lincoln zu einem heterogenen, bunten Quartier zu machen. Wir setzen daher auf einen Wohnungsmix aus öffentlich geförderten und frei finanzier-ten Wohnungen, aus Wohnungen für mittlere Einkommen sowie Wohnungen für zielgruppen-orientiertes Wohnen (Wohnprojekte, betreutes Wohnen, Studenten- und Seniorenwohnen etc.)", erklärt Sybille Wegerich, Vorstand der bauverein AG und Aufsichtsratsvorsitzende der BVD New Living GmbH & Co. KG.


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