Stadthaus an der Mathildenhöhe | Pützerstraße 4

In unmittelbarer Nähe zu einem architektonischen Denkmal zu bauen, kann ein undankbarer Job sein. Um dem Neubau eine eigene Identität zu verleihen, braucht es daher viel Fingerspitzengefühl. Peter Karle und Ramona Buxbaum brachten dieses Fingerspitzengefühl mit – und entwarfen mit dem „Stadthaus an der Mathildenhöhe“ ein hervor­ragendes Beispiel dafür, wie sich Gebäude in ihre Umgebung einfügen können, ohne gesichtslos daher zu kommen. Dass die beiden Architekten wenige Jahre zuvor den Neufert-Bau revitalisiert und sich dabei ausgiebig mit dem markanten Nachbarn beschäftigt hatten, kam ihnen bei der Planung des Stadthauses zugute.

Das Stadthaus mit neun barrierefreien Eigentumswohnungen zeigt mit der Schmalseite zur Pützerstraße. Seine Breitseite bildet – gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Neufert-Meisterbau – den Aufgang zur Mathildenhöhe. Eine Lage, der die Architekten mit den übereck laufenden Fenstern Rechnung tragen. Sie lenken den Blick des Betrachters geschickt von der Straßenseite auf das Kulturdenkmal. Der Neubau nimmt bewusst Höhe und Ausrichtung des gegenüberliegenden niedrigen Gebäudeteils des Neufert-Baus auf, bewahrt sich aber seine Eigenständigkeit. Nur die durch ihre farbliche Hervorhebung betonten vorgeblendeten Fenstereinrahmungen stellen eine Reminiszenz an den 50 Jahre älteren Nachbarn dar.

Bei der Form- und Farbgebung des Eckgebäudes setzten die Planer bewusst auf Purismus, an anderer Stelle wiederum legten sie Wert auf eine gewisse Symmetrie: Von dem im Erdgeschoss untergebrachten, sich gen Westen, zur Pützerstraße öffnenden Café ließe sich eine imaginäre Diagonale zur nach Osten ausgerichteten Loggia im Obergeschoss ziehen. Von ihr aus hat man freien Blick auf die Mathildenhöhe. Das im Erdgeschoss untergebrachte Café belebt den neu gestalteten Platz.

 

Fotos: © Eicken und Mack Fotoproduktion

uNach Oben