Quartier „Alte Gärtnerei“ | Martinstraße / Elly-Heuss-Knapp-Weg / Edith-Stein-Weg

Ineinander verschachtelte Quader- und Kubuselemente, die teilweise aus den Gebäudefronten herausgezogen werden und so Raum machen für kleine Balkone und intime Terrassen – wer Professor Alfred Jacobys Konzept für das zwischen 2005 und 2007 gestaltete Wohnquartier „Alte Gärtnerei“ betrachtet, fühlt sich unweigerlich an die Bauhausschule erinnert. Doch das Spiel mit kubistischen Elementen und der bauhaustypischen Formensprache ist nicht das einzige Stilmittel. Denn zu einem Hingucker, zu einem gelungenem Beispiel für moderne urbane Architektur, werden die Bessunger Stadtvillen auch durch den Einsatz dunklen Fichtenholzes, das an schwedische Ferienhäuser oder nordamerikanische Forts erinnert und mit dem wechselnde Teilbereiche der Fassaden verkleidet sind. Schlichter weißer Putz und dunkle Holzpaneele – ein reizvoller, spannungsreicher Kontrast und ein Gegenentwurf zur Seelenlosigkeit auf dem Reißbrett entworfener Reihenhaussiedlungen. Die städtebauliche Entwicklung des Geländes wurde in Kooperation mit dem Gemeinnützigen Siedlungswerk Frankfurt GmbH (GSW) vorgenommen, die die Hälfte der 26 Bauten errichtete.

Auch im Inneren haben die Stadtvillen – die Anlage besteht aus Einzelhäusern, Zweier- und Dreiergruppen – wenig mit einem durchschnittlichen Einfamilienhaus gemein: Auf zwei Geschossen und einem Staffelgeschoss bieten die Häuser zwischen 158 und 237 m² Wohnfläche; riesige Fensterflächen sorgen für Helligkeit und lassen den Wohnraum noch größer erscheinen. Besonders innovativ ist das energetische Konzept, das ganz auf die Nutzung von Erdwärme setzt. Jedes Haus verfügt über eine eigene Wärmepumpe, die aus dem Erdreich abgepumpte Energie wird – ökologisch vorbildlich – zur Beheizung der Räume genutzt. Für die Bewohner bedeutet das weitgehende Unabhängigkeit von Öl- und Gaspreisen. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung sorgt dafür, dass weniger über das Fenster gelüftet werden muss.

 

Fotos: © Frank Seifert, www.frank-seifert.com

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